01 In diesem Kapitel schauen wir uns verschiedene Arten des Kfz-Leasing an. 02 Leasing kommt für Autofahrer in Frage, denen eine monatliche Rate lieber ist, als ein neues Auto komplett zu bezahlen. Auch wenn Sie immer mit einem aktuellen Modell fahren wollen, ist Leasing eine Alternative zum Barkauf oder der Finanzierung. Es besteht ein steuerlicher Vorteil für Geschäftsleute: Die Leasingraten können monatlich als Betriebsausgaben über die gesamte Vertragslaufzeit abgesetzt werden. Leasing war früher eher bei Geschäftsleuten beliebt, breitet sich aber immer mehr für private Kfz aus. 03 Wie funktioniert Kfz-Leasing? Leasing ist vergleichbar mit der Miete: Der Leasingnehmer zahlt für die Überlassung des Autos monatlich eine Leasingrate. Die Höhe der Raten hängt von Automodell, Marke, Ausstattung und Neupreis ab. Die Raten sind meist günstiger als bei einem Kredit. Der Leasingvertrag wird für eine bestimmte Laufzeit über einige Jahre geschlossen. Danach müssen Sie das Auto wieder zurückgeben. Sie werden in der Regel nicht Eigentümer des Autos: Sie erhalten nicht den Fahrzeugbrief und das Auto muss Vollkaskoversichert sein! Eine vorzeitige Kündigung des Leasingvertrages ist meist nicht möglich. 04 Die erste Kategorie des Leasing ist das finanzielle Leasing. Die Laufzeiten sind dabei länger und betragen vier bis sechs Jahre oder noch mehr Es gibt dabei oft die Möglichkeit, das Fahrzeug am Ende der Laufzeit zu kaufen über eine Kaufoption. Es gibt fixe monatliche Raten, oft ohne Service- und Wartungspakete. Die muss man dann selbst zahlen. Die Vorteile bestehen in der Option auf Fahrzeugübernahme am Ende der Laufzeit. Es sind planbare Kosten über die gesamte Laufzeit und es gibt in der Regel niedrigere Raten im Vergleich zum Kreditkauf. Nachteile sind höhere Gesamtkosten durch längere Laufzeiten und durch die eventuelle Kaufoption. Gegebenenfalls gibt es ein Recht oder eine Verpflichtung zur Übernahme des Fahrzeugs am Ende der Laufzeit. Dieses sogenannte Andienungsrecht schauen wir uns auf der folgenden Folie an. 05 Bei einem Vertrag mit Andienungsrecht hat der Leasinggeber besondere Rechte. Andienungsrecht bedeutet: Ist der tatsächliche Wert des Autos bei Vertragsende geringer als der kalkulierte Restwert, kann der Leasinggeber verlangen, dass der Leasingnehmer das Auto kauft. Der Leasingnehmer hat aber kein Recht darauf, das Auto zu kaufen. Ist das Auto bei Rückgabe dagegen mehr wert als der kalkulierte Restwert, kann der Leasinggeber es zum Kauf anbieten. Man muss es dann aber nicht kaufen. Verlangen Sie eine schriftliche Bestätigung, wenn Leasinggesellschaft oder Händler versprechen, das Auto könne später zum niedrigeren Restwert angekauft werden. 06 Die zweite Kategorie ist das operative Leasing. Dabei gibt es kurzfristige Mietverträge, meist über zwei bis vier Jahre. Das Fahrzeug wird am Ende der Laufzeit auf jeden Fall zurückgegeben. Dies wird häufig von Unternehmen genutzt, um ihre Fahrzeugflotten regelmäßig zu erneuern. Vorteile sind geringe monatliche Raten im Vergleich zum Kauf. Man muss sich keine Sorgen um den Wiederverkaufswert oder um ein Altfahrzeug machen. Die Wartungs- und Servicepakete sind oft inklusive. Als Nachteile ist zu nennen, dass kein Eigentum am Fahrzeug entsteht. Oft sind letztlich zusätzliche Kosten für übermäßige Abnutzung oder Schäden zu zahlen. 07 Eine Art des Leasings ist das Kilometerleasing. Die Leasingraten basieren hier auf einer vereinbarten jährlichen Kilometerleistung. Die Abrechnung erfolgt nach tatsächlich gefahrenen Kilometern. Dies ist geeignet für Nutzer mit gut planbarem Fahrverhalten. Als Vorteile sind die transparenten und planbaren Kosten durch die festgelegte Kilometerleistung zu nennen. Es gibt keine Nachzahlung bei geringerer Kilometerleistung, gegebenenfalls gibt es sogar eine teilweise Erstattung. Als Nachteile sind Nachzahlungen bei Überschreitung der vereinbarten Kilometerleistung zu nennen. Der Preis dafür wird normalerweise zu Vertragsbeginn festgelegt. Die Vertragsklauseln können unflexibel sein, wenn sich das Fahrverhalten ändert. 08 Eine andere Art ist das Restwertleasing. Die Leasingrate basiert dabei auf dem kalkulierten Restwert des Fahrzeugs am Ende der Laufzeit. Das Restwertrisiko trägt der Leasingnehmer, wenn der tatsächliche Restwert unter dem kalkulierten liegt. Vorteile sind niedrigere monatliche Raten durch höheren kalkulierten Restwert. Ein potenzieller Vorteil ergibt sich bei einem höheren tatsächlichen Restwert am Ende der Laufzeit. Es besteht als Nachteil aber das Risiko einer Nachzahlung, wenn der tatsächliche Restwert unter dem kalkulierten liegt. Es gibt einen schwierigen Vergleich der Angebote durch unterschiedliche Restwertkalkulationen. 09 Beim Restwertleasing sollten Sie sich einiger Probleme bewusst sein. Bei Abschluss eines Restwertvertrages wird geschätzt, wie viel das Auto am Ende der Leasingzeit noch wert ist. Der geschätzte Restwert wird in den Leasingvertrag aufgenommen. Fällt der Kaufpreis allerdings höher aus als der geschätzte Restwert, bekommen Sie beispielsweise fünfundsiebzig Prozent des erzielten Mehrerlöses ausgezahlt. Je höher der Restwert, desto geringer die monatlichen Raten. Manche Anbieter setzen den Restwert aber absichtlich unrealistisch hoch, um mit geringen Raten zu werben. Am Ende bleiben Sie dann auf hohen Kosten sitzen. Informieren Sie sich also vor Unterschrift des Vertrages, welcher Restwert für das Auto auf dem Markt realistisch ist. 10 Ist der Wert des Autos bei der Rückgabe geringer als geschätzt, so muss der Leasingnehmer die Differenz zahlen. So ein Wertverlust entsteht durch Schäden wie zum Beispiel Kratzer am Auto. Auch eine Veränderung der Marktlage, zum Beispiel neue gesetzliche Bestimmungen im Umweltschutz, kann sich auf den Restwert des Autos auswirken. Dies war vor einigen Jahren bei den Fahrverboten von älteren Dieseln in Städten zu beobachten. Das Risiko für die Verschlechterung des Restwertes tragen dann also Sie als Leasingnehmer. Beim Restwertleasing ist es extrem wichtig, das Auto gut zu pflegen! 11 Eine andere Art ist das Null-Leasing. Dies ist ein Leasing ohne Anzahlung, das heißt der Leasingnehmer zahlt nur die monatlichen Raten. Das Null-Leasing ist oft mit höheren monatlichen Raten als bei Leasingverträgen mit Anzahlung verbunden. Als Vorteil ist das Fehlen einer hohen Anfangsinvestition zu nennen, was die Liquidität schont. Es ist ideal für Kunden, die kein Kapital binden möchten. Nachteile sind höhere monatliche Raten und dass die Gesamtbelastung höher sein kann als bei Leasingverträgen mit Anzahlung. 12 Die letzte Art des Leasings, die ich hier vorstellen will, ist das Full-Service-Leasing. Es umfasst neben der Fahrzeugmiete auch die Wartung, Reparaturen, Reifenservice, Versicherung und oft auch Tankkarten. Es ist das Alles-in-einem-Paket für maximalen Komfort und Planbarkeit. Als Vorteile sind die planbaren Gesamtkosten durch inkludierte Serviceleistungen zu nennen. Es gibt keine zusätzlichen Ausgaben für Wartung und Reparaturen. Dies hat natürlich seinen Preis, denn die Kalkulation geht in der Regel nicht zu Lasten des Leasinggebers. Es gibt höhere monatliche Raten durch die inkludierten Dienstleistungen. Außerdem weniger Flexibilität, da alle Dienstleistungen an den Leasinganbieter gebunden sind. 13 Auf dieser Folie möchte ich einmal das traditionelle Geschäftskundenleasing mit dem Privatkundenleasing vergleichen. Das Privatkundenleasing hat oft kürzere Laufzeiten und flexiblere Rückgabekonditionen. Es gibt keine hohe Einmalzahlung und eine flexible Fahrzeugwahl. Dafür sind die monatlichen Kosten höher und es erfolgt kein Eigentumserwerb. Eigentumserwerb ist natürlich auch beim Geschäftskundenleasing nicht vorhanden, aber das wird auch gar nicht angestrebt. Hier gibt es oft langfristige Leasingverträge, oft mit größeren Flottenrabatten. Vorteile sind die steuerliche Absetzbarkeit und die regelmäßige, automatisierte Fahrzeugerneuerung. Nachteile sind die langfristige vertragliche Bindung sowie das Restwertrisiko. 14 Nun kann man auch auf die Idee kommen, Leasing generell mit einer Finanzierung durch eine Bank über einen Konsumentenkredit zu vergleichen. Das Leasing ist eine Nutzung des Fahrzeugs gegen monatliche Raten mit Rückgabe des Fahrzeugs am Ende der Laufzeit. Es gibt niedrigere monatliche Raten als bei der Finanzierung, dafür keine Eigentumsübertragung. Als Fazit ist das Leasing eher geeignet für Personen, die regelmäßig neue Fahrzeuge fahren möchten und planbare Kosten bevorzugen. Die Finanzierung ist ein Fahrzeugkauf über einen Kredit mit monatlichen Raten zur Rückzahlung. Das Fahrzeug wird dabei Eigentum des Käufers nach Kreditlaufzeit. Es gibt höhere monatliche Raten, aber dafür geht das Fahrzeug in das Eigentum über am Ende der Laufzeit. Als Fazit ist die Finanzierung eher ideal für Personen, die das Fahrzeug langfristig nutzen und besitzen möchten. 15 Hier kommt ein konkretes, etwas älteres Beispiel für einen VW Passat eins-komma-vier TSI. Die Laufzeit der Raten soll in beiden Fällen achtundvierzig Monate betragen bei einer jährlichen Fahrleistung von fünfzehntausend Kilometern. Der Neuwert des Autos ist natürlich in beiden Fällen identisch und liegt bei knapp achtundzwanzigtausend Euro. Die Ratenhöhe des Kredits beträgt in diesem Fall etwas über sechshundert Euro. Die dies Kilometerleasings dreihundert Euro. Der Kredit ist also doppelt so teuer. Nach vier Jahren hat man mit dem Kredit knapp dreißigtausend Euro gezahlt, davon etwas mehr als eintausendfünfhundert Euro Zinsen. Das Kilometerleasing kostet ziemlich genau die Hälfte. Dafür muss man das Auto beim Leasing nach vier Jahren wieder abgeben, während man es nach dem Abzahlen des Ratenkredits behalten kann. Welches Angebot würden Sie wählen? Oder würden Sie vielleicht ein kleineres günstigeres Auto kaufen, wenn Sie sich die Raten des Kredits nicht leisten können? 16 Abschließend noch ein paar Tipps zur Auswahl des richtigen Leasingmodells. Führen Sie zunächst eine Bedarfsanalyse durch. Ermitteln Sie ihr Fahrverhalten, die geplante Kilometerleistung und die Nutzungsdauer. Prüfen Sie Ihre finanziellen Hintergründe. Wie viel können Sie zu Beginn zahlen? Wie viel können Sie monatlich in den nächsten Jahren zahlen? Was ist für Sie finanzierbar? Führen Sie dann einen Angebotsvergleich durch. Vergleichen Sie verschiedene Leasinganbieter und Konditionen. Prüfen Sie Vertragsdetails sehr genau. Gibt es besondere Klauseln? Wie wird mit dem Restwert und mit Kilometerbegrenzungen umgegangen? Gibt es Zusatzkosten? Wie immer zählt nur das Schriftliche! Und nicht mündliche Aussagen eines Verkäufers.